Besuch beim Märchenkönig – Schloss Neuschwanstein

Es ist sehr früh (und sehr kalt) als wir mit dem Auto auf den Parkplatz unseres heutigen Ausflugszieles in Hohenschwangau bei Füssen fahren. An das letzte mal als ich hier war kann ich mich fast gar nicht mehr erinnern – vereinzelte Bilder von Räumen, ein unklarer Umriss der Marienbrücke, solche Eindrücke schießen mir durch meinen Kopf. Ich freue mich wirklich unglaublich dieses Schloss nocheinmal besuchen zu können!

Meine Eltern, welche erst letztes Jahr hier waren, verweisen mich darauf dass man das Schloss eigentlich schon hier unten vom Parkplatz aus sehen kann – wenn der dichte Nebel nicht wäre, welcher an den Bergen klebt und undurchdringlich zu sein scheint. Aber wir haben keine Zeit groß darüber nachzudenken, schnell sputen wir uns zur Kasse, denn das vor allem bei Japanern beliebte Touristenziel ist für seine laaaaaangen Schlangen bekannt. Wir sind jedoch so früh da, dass sich anscheinend noch niemand nach draußen gewagt hat  für die Tickets…

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… meine Eltern sind ganz überrascht: Letztes Jahr haben sie selbst morgens schon bis draußen gestanden. Gut, es ist gegen 8:00 Uhr in der früh, der Schalter hat praktisch gerade erst auf gemacht. Trotzdem hätte auch ich mit einem höheren Andrang gerechnet. Schon bald werden wir aber erfahren wo der kleine Haken liegt.Erstmal geht es aber ins Ticketcenter – wichtig ist: Nur hier (oder online) könnt ihr Karten für den Besuch der Schlösser kaufen! Im Ticket-Center ist es zumindest wärmer als draußen. Riesige Plakate in deutscher, englischer und japanischer Sprache hängen an den Wänden und bewerben die Schlösser und Museen. Dazu kommen große Monitore auf denen man nachlesen kann, wann die nächste Führung ist, für welche man noch Karten kaufen kann (denn die Schlösser darf man nur mit einer Führung besuchen!). Das schürt natürlich die Aufregung – es ist ein bisschen als würde man bei einem Rennen wetten: 9:00 ist frei, 9:00 ist frei und kurz vor dem Ziel ausgebucht! Dazu kommt dass es verschiedene Führungen gibt: Deutsch, Englisch und mit Audio-Guide in anderen Sprachen…

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… und obwohl wir so früh da waren und auch die Schlange im Ticket-Center selbst nicht lang war bekommen wir eine Führung für Schloss Neuschwanstein um 10:00 Uhr und Hohenschwangau sogar erst um 13:00 Uhr. Grund dafür: Viele Führungen zu den beliebtesten Zeiten waren durch Online-Reservierungen schon ausgebucht. Ich kann euch also nur empfehlen, dass wenn ihr früh genug wisst an welchem Tag eures Urlaubs ihr die Schlösser besuchen wollt ihr euch Karten online reserviert. Das ist hier möglich – allerdings nur bis spätestens 2 Tage vorher um 15 Uhr und auch nur mit Kreditkarte. Da wir uns recht spontan einen Tag vorher für den Besuch entschieden haben, konnten wir nicht mehr online reservieren.

Es war dann auch nicht mehr zu ändern – raus aus dem Ticket-Center und Richtung Schloss. Der Weg zu dem Platz von dem aus Busse und Kutschen zum Schloss fahren ist umgeben von Läden in denen Japaner gerne Geld auszugeben scheinen (natürlich auch alles mit japanischer Beschriftung).

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Es gibt allgemein mehrere Varianten um das Schloss Neuschwanstein zu betreten:

  • Variante A: Zu Fuß – kostengünstiger geht nicht. ABER: Der ca. 1,5 km lange Fußweg weist erhebliche Steigungen auf, sodass man 30 bis 40 Minuten für den Weg einrechnen sollte.

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  • Variante B: Stilecht mit der Pferdekutsche – dafür auch am teuersten: Eine Bergfahrt kostet 6 € p.P., die Bergfahrt nur noch 3 € p.P.. Die Tickets erhält man direkt beim Kutscher. Das ganze Jahr über ist es möglich mit den Kutschen zu fahren, außer bei Schnee und Eis. Einen festen Fahrplan gibt es nicht. Da es sehr viele Kutschen sind muss man aber in der Regel nicht lange warten. Vom Haltepunkt der Kutsche muss man noch etwa 300 Meter leicht Bergauf zum Eingang gehen (ca. 5-10 Minuten).
  • Variante C: Günstiger als die Kutsche, bequemer als zu Fuß – mit dem Pendelbus. Für 1,80 € p.P. für eine Bergfahrt und 1 € für eine Talfahrt bringt einen der Pendelbus. Er nimmt eine eigene Straße, sodass er den Kutschen nicht in die Quere kommt und hält direkt beim Aussichtspunkt Marienbrücke. Von dort sind es noch ca: 600 Meter leicht bergab zum Eingang (10-15 Minuten). Ebenso wie die Kutschen fahren die Busse ohne festen Zeitplan und  ganzjährig außer bei Schnee und Eis.

Das ganze kann man auch nochmal hier nachlesen.

Wir haben uns für den Bus entschieden, dazu abe

r genaueres in einem eigenen Beitrag. Da wir ja noch genügend Zeit bis zu unserer Führung hatten sind wir zuerst zum Aussichtspunkt Marienbrücke gegangen. Auch hierzu gibt es einen eigenen kleinen Artikel.

Die 600 Meter zum Schloss sind wirklich kein Problem. Um uns herum scheint alles gefroren und noch immer in dichten Nebel gehüllt. Überall stehen Ferngläser, aber bei diesem Wetter bringen sie nicht wirklich viel. Wir biegen um eine Kurve und dann tauch einer der Türme – ganz langsam – aus dem Nebel auf. Nach und nach kann man immer mehr Konturen dieses Märchenschlosses ausmachen.

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Und da sind wir – Schloss Neuschwanstein. Inspiration für das Disney-Schloss, ewige Baustelle und Verwirklichung eines Traums. 1869 begann Ludwig der II. von Bayern seinen Bau und konnte ihn leider nie vollends fertig stellen. Dennoch lockt das Schloss jährlich rund 1,5 Millionen Besucher an (was man leider an vielen Stellen auch merkt, da es wirklich sehr voll sein kann).

Ich bin eh schon etwas enttäuscht, da man durch den Nebel so wenig sieht, es wird jedoch noch schlimmer dadurch, dass die Front in ein Baugerüst gehüllt ist… bis Herbst 2017 wird die Fassade des Schlosses restauriert (Ja, ich weiß, dass musss auch mal sein…).

Im Innenhof merkt man dann aber kaum noch etwas davon. Ich bin sofort von der überwältigenden Architektur eingenommen und den Farben. Rote Ranken klettern eine Wand empor, ein fast goldener Baum steht im Innenhof. In der Ferne kann man die Berghänge und Felsen ausmachen, die das Schloss umgeben.

Es ist wirklich schön hier – nur müssen wir noch 30-40 Minuten warten und das geht nur hier draußen (hab ich schon erwähnt, dass es hier kalt ist?). Wir werden über eine elektronische Anzeige auf dem Laufenden gehalten, wann wir hinein dürfen…

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… mittlerweile wird es immer voller und es bildet sich eine ganz lustig anzusehende Gesellschaft. Ein australisches Pärchen (stilecht mit Landesflagge) läuft in bayerischer Tracht über den Innenhof und friert sich in kurzer Lederhose und Dirndel wahrscheinlich doch etwas den Hintern ab. Zwei ältere japanische Damen haben zwei blonde kleine Mädchen entdeckt mit denen sie sich erstmal ablichten (natürlich mit einem Selfie-Stick) und sobald ihre Mitreisenden das mitbekommen haben wollen sie auch. Die Zeit vergeht dann doch etwas schneller als zuerst erwartet. Gespannt stellen wir uns am Schalter mit gezückten Tickets an – sobald die Minutenanzeige auf 10:00 Uhr umspringt sind wir drin und werden von Sicherheitslotsen durch eine Tür und eine Wendeltreppe nach oben gebeten.

Leider darf man im Schloss selbst nicht fotografieren – wer vor seinem Besuch einen Blick hineinwerfen möchte, dem kann ich nur den virtuellen Rundgang empfehlen, den man auch über die offizielle Seite des Schlosses findet. Er ist natürlich nichts im Vergleich dazu selbst dort gewesen zu sein, aber er vermittelt einen Eindruck von der Präsenz und dem Ideenreichtum bis hin zur Besessenheit von König Ludwig II.. Freunde von mir meinten, dass sie etwas enttäuscht waren, als sie das Schloss dann von innen gesehen haben. Ich kann diese Meinung persönlich nicht teilen. Es ist großartig zu sehen, was Menschen bauen können. Die Räume welche fertig gestellt wurden sind äußerst prächtig und detailverliebt verziert. Wo sonst, wenn nicht hier, gelangt man vom Salon durch eine Tür in eine realistisch anmutende Grotte, in welcher Stalaktiten von der Decke hängen? Ich habe es hier einfach nur genossen. Sicherlich ist die Führung nicht lang – vielleicht 20 Minuten. Das ist wirklich nicht viel Zeit wenn man den (zeitlichen) Aufwand im Vorhinein bedenkt. Dazu kommt, dass es nicht sehr viele Räume sind, was aber auch einfach daran liegt, dass viele Räume nicht fertig geworden sind. Beim Verlassen des Schlosses kann man einen Eindruck davon bekommen, wenn man an den rohen Backsteinmauern vorbei geht. Man kann nur erahnen welche Ausmaße alles angeommen hätte, wäre es zu einer Fertigstellung gekommen. Ich würde euch gerne mehr über die Innenräume berichten, aber ich kann es einfach nicht in Worte fassen. Es hat mich tief in meinem Innersten sehr bewegt.

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Als wir uns langsam auf den Weg nach Hohenschwangau machen sind wir ganz froh so früh hiergewesen zu sein. Immer größer wird der Andrang und immer mehr Menschen sind auf dem Weg zum Schloss.

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Ich schaue noch einmal zurück und bin sehr froh hiergewesen zu sein. Ich kann euch nur empfehlen alles einmal mit eigenen Augen anzuschauen, meiner Meinung nach ist es wirklich einen Besuch wert.

– Eure Weltenbummlerin ♥

P.S.: Die Talfahrt haben wir mit einer Kutsche unternommen. Es war großartig! Man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt (selbst mit einem frierenden australischen Paar ind bayerischer Tracht, welches munter seine Nationalflagge schwingt). Das Geld für eine Talfahrt ist meiner Meinung nach gut investiert.

Öffnungszeiten (Ticket Center)
Nur im Ticket Center erhalten Sie die Tickets für Schloss Neuschwanstein und 
Schloss Hohenschwangau. 
Tickets für das Museum der bayerischen Könige erhalten Sie auch im Museum direkt.

Winter 2016/2017 (16. Oktober 2016 bis 31. März 2017)
täglich von 9.00 - 15.00 Uhr (für Schloss Neuschwanstein)
täglich von 9.00 - 15.30 Uhr (für Schloss Hohenschwangau und Museum)

Sommer (01. April 2017 - 15. Oktober 2017)
täglich von 8.00 - 17.00 Uhr

Schließungstage
Schloss Neuschwanstein: 1. Januar; 24.,25. und 31. Dezember
Schloss Hohenschwangau:          24. Dezember und 1. Januar
Museum der bayerischen Könige:    24. und 25. Dezember, 1. Januar

Eintrittspreise 2016
Regulärer Preis: 12,- Euro
ermäßigter Preis: 11,- Euro
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Eintritt frei.

Verbundkarte "Königsticket" für den Besuch der Schlösser Neuschwanstein und 
Hohenschwangau am gleichen Tag:
 23,- Euro bzw. 21,- Euro (ermäßigt)

Kombiticket "Königsschlösser": 24,- Euro
 Das Ticket ist 6 Monate gültig und berechtigt zum einmaligen Besuch der 
Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee.

Hier kommt ihr auch zur offiziellen Website für aktuelle Infos.

0 Comments

  1. Emily J.
    22. November 2016

    Die Fotos sind ja wunderschön! Der Nebel war am Tag selbst bestimmt schade, aber für die Bilder grandios – und sehr passend zum ganzen mysteriösen Leben&Tod von Ludiwg II 😀

    Antworten
    1. weltenbummlereck
      22. November 2016

      Vielen Dank! Ja es war schon etwas besonderes mit dem Nebel – eine ganz eigene Stimmung 🙂

      Antworten
  2. […] dem Besuch von Schloss Neuschwanstein hatten wir noch etwas Zeit bis es weiter zu Schloss Hohenschwangau ging. Es war noch immer kalt, […]

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  3. […] Besuch beim Märchenkönig – Schloss Neuschwanstein […]

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